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Ein "Haven-Project"

Hallo!


In diesem Beitrag möchte ich dir einen kleinen Einblick hinter die Kulissen eines Shootings mit dem Haven-Project und mir geben. Genau genommen war es unser erstes gemeinsames Projekt.

Dieser Beitrag ist eins zu eins aus meinem Blog entnommen. -> FotoLukas.de

Ich hoffe er ist unterhaltsam und vielleicht auch ein wenig lehrreich.

Über Feedback in jeglicher Form würde ich mich sehr freuen. Also schreib mir gerne einen Kommentar oder eine direkte Nachricht.

Viel Spaß beim Lesen! =)




Hi!

Schön, dass du da bist!


Dieses Mal möchte ich dir die Geschichte hinter einem Bild erzählen.

Genau gesagt geht es darum, wie und aus welchen Gründen dieses Bild entstanden ist.


Aber eins nach dem anderen:

Beginnen wir Anfang Dezember 2018 beim Soft Opening des neuen alten Postlagers in Mainz. Ein klasse Event mit Musik, Live Graffiti, Streetfood und einem Skatecontest in der Miniramp. Ich war dort um den Wettkampf zu fotografieren. Parallel dazu habe ich versucht die Stimmung und die Kunst an den Wänden einzufangen.

Gegen Ende der Veranstaltung hat mich ein Kerl im Rollstuhl von der Seite angesprochen. Er wollte wissen, ob ich der Künstler zu diesem Graffiti sei, welches ich gerade fotografiert hatte. Nach einem kurzen Gespräch hat sich herausgestellt, dass dieser Kerl Andre heißt und Gründer eines Künstlerkollektivs ist: dem Haven-Project. Das war der Beginn einer Freundschaft und einer Zusammenarbeit, die mir bisher schon viele Bilder und Erfahrungen eingebracht hat.


Im Januar 2019 hat mich Andre über Instagram kontaktiert und gefragt, ob ich an einem Projekt mitarbeiten möchte.

Nach einem kurzen Meeting war die Sache geklärt und wir haben losgelegt.

Es sollten mehrere Bilder zum Werbezweck für das Haven-Project erstellt werden. Die Geschichte bzw. der Gedanke des Kollektivs bildlich darstellen: "Eine Künstlerin oder ein Künstler fühlt sich einsam und sucht nach einer Gemeinschaft. Am Ende findet er/sie den Hafen (Haven-Project) und somit das Kollektiv." Andre hat ein Model organisiert und ich den Rest.

Um eines dieser Bilder geht es in diesem Artikel. Die Darstellung der Einsamkeit des Künstlers.


Die erste Frage, die ich mir im Vorfeld gestellt habe war, wie ich Einsamkeit auf einem Foto zeigen kann? Zunächst habe ich an einen Wald oder eine offene weite Fläche mit Nebel gedacht. Beides schien mir aber zu aufwändig.

Irgendwann musste ich an diese Zeitrafferaufnahmen denken, in denen eine einzelne Person in einer sich bewegenden Menschenmasse steht. (Du hast sowas sicher schon gesehen.) Diese Idee hat mir gefallen.

Bewegung in einem Bild darstellen ist kein großes Problem. Hier habe ich durch das Fotografieren auf Motorsportevents viel Übung. Man muss lediglich ein wenig umdenken. Nicht der Hintergrund soll sich bewegen, wie bei einem Mitzieher von z.B. Autos, sondern die Menschen um das Model herum. Also eine lange Belichtungszeit und ein Stativ, damit der Hintergrund nicht verwackelt. Zudem muss das Model für die Zeit der Aufnahme absolut still stehen. Alternativ könnte man auch mehrere Bilder machen und sie dann später zusammenführen. Diesen Aufwand wollte ich aber vermeiden. Generell möchte ich so viel wie möglich bereits in der Kamera erledigen. Das spart Zeit und Nerven in der Nachbearbeitung.


Die eigentliche Herausforderung war es also viele Menschen auf einem Fleck zu finden. Und das im Januar in Mainz. Da blieb eigentlich nur der Hauptbahnhof während der Rushhour, wenn zig Pendler von der Arbeit nach Hause kommen.

Also schnell Kontakt über Andre zum Model hergestellt und einen Termin mit Uhrzeit und Treffpunkt ausgemacht. Glücklicherweise habe ich durch die Streetfotografie viele Locations im Kopf und weiß etwa, wo man gut fotografieren kann. Dachte ich zumindest...

Am besagten Tag zur entsprechenden Uhrzeit habe ich dann das Fotomodel Valerie am Hauptbahnhof getroffen. Mein Plan war es, sie in eine Doppeltür am Gleis 1 zu platzieren. In der Hoffnung, dass wenn ein Zug einfährt, alle Leute möglichst eng an ihr vorbei laufen. Blöderweise hatte ich aber die dortigen Schließfächer vergessen und die Türen waren nicht so breit, wie ich dachte. Mein Plan ist also nicht aufgegangen.

- Seitdem besuche ich, wenn möglich, vor jedem Shooting nochmal die entsprechende Location und verlasse mich nicht auf mein Gedächtnis. -

Glücklicherweise war Valerie sehr entspannt und ich  konnte in Ruhe improvisieren. Eine neue Location war schnell gefunden. Eine Treppe zur Unterführung, welche die einzelnen Gleise miteinander verbindet. Dort laufen ebenfalls sehr viele Menschen auf einmal entlang, nachdem ein Zug eingefahren ist.

Ich habe mich oberhalb der Treppe auf dem Gleis aufgestellt, die Kamera wie geplant auf dem Stativ und nach vorne gegen ein Geländer gelehnt, um den Blick nach unten ohne störende Hindernisse zu gewährleisten. Valerie hat sich unten auf der Treppe platziert. Gemeinsam haben wir ein paar Posen ausprobiert und waren recht schnell zufrieden. Dann hieß es warten auf einen Zug. Glücklicherweise konnten wir die nächsten Zugfahrten durch die Infotafeln am Gleis sehen. So hatten wir die Möglichkeit, uns rechtzeitig bereit zu machen. Die Kameraeinstellungen habe ich währenddessen mit zufällig vorbeilaufenden Personen getestet.

ISO100, Blende 8.0 und 1 Sekunde Belichtungszeit mit meiner Sony Alpha 6000 und dem SEL35F18 Objektiv.

Als die Leute aus einem ankommenden Zug ausgestiegen und in die Unterführung geströmt sind, waren wir bereit. Ich habe ein paar Mal ausgelöst, nur um auf Nummer sicher zugehen. Folgendes Bild ist dabei entstanden:


( links unbearbeitet, rechts meine finale Version )


Ich war sehr zufrieden, wie wir die Bewegung der Menschen eingefangen hatten. Leider mochte ich den Blickwinkel nicht. Das "von oben herab" wollte ich vermeiden.

Also haben wir beschlossen, eine Station weiter zum Römischen Theater zu fahren. Dort gibt es schönere, längere und breitere Treppen.

Zudem konnte ich mich dort mit meinem Stativ entspannt ans untere Ende stellen ohne im Weg zu sein.

Dort angekommen, waren wir leider sehr auffällig. Eine einzelne Person sitzend auf der Treppe und ein Fotograf mit Stativ direkt davor.

Kleinere Gruppen und einzelne Personen haben großen Abstand gehalten oder gewartet, bis ich sie vorbei gewinkt habe. Sie wollten eben nicht ins Bild laufen. Blöderweise war aber genau das unsere Absicht.

Erst als die Gruppen größer wurden und der Platz geringer, haben sie uns ignoriert. Wir mussten also mehrere Züge abwarten und ich habe in der Zeit viele Male den Auslöser betätigt.

Die Einstellungen der Kamera und das Equipment waren dieselben wie bei dem Bild am Hauptbahnhof.

Schlussendlich waren es jedoch nie genug Menschen auf einem Bild. Also habe ich beschlossen doch mehrere Fotos in der Nachbearbeitung zusammen zu führen, also eben das zu machen, was ich eigentlich im Vorhinein hatte vermieden wollen. Naja, am Ende hat es sich auf jeden Fall gelohnt!

Unten siehst du die drei Bilder, aus denen ich das finale Bild erstellt habe. Anhand des roten Mantels, erkennt man, dass manche Menschen mehrfach auf dem Bild erscheinen.

Für das Zusammenfügen der Bilder, die schwarz-weiß-Umsetzung und die generellen Bearbeitungen habe ich Snapseed auf dem Tablet benutzt.


( Die drei Bilder, aus denen das Eine wurde. Alle unbearbeitet )


Das finale Bild hast du bereits am Anfang gesehen.



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